Schießerei in Newtown, Connecticut, USA. 26 Ermordete, darunter 20 Kinder. Eine wahrlich schockierende Meldung wie es scheint. Ausnahmslos alle Medien berichten über diesen Fall. Alle Zeitungen, online wie offline, schreiben minütlich neue Berichte über den aktuellen Stand der Lage. Selbst der Präsident schaltet sich ein und hält eine Rede an die Nation.

Ich möchte diese Tat weder verharmlosen noch rechtfertigen. Mord, also die bewusste Tötung eines Menschen, sei es auf Befehl, aus einer Emotion oder Laune heraus ist nicht zu rechtfertigen. Dennoch wundere ich ein jedes mal wie hoch die Wellen schlagen bei so einer, so seien wir doch einmal ehrlich, bedeutungslosen Tat.

In Syrien beispielsweise herrscht Bürgerkrieg. Ein Diktator tötet seine eigenen Bürger. Jeden Tag gibt es dutzende Tote. Allesamt Zivilisten. Darunter auch Kinder. Jeden Tag werden also von einem Menschen dutzende andere zur Tötung ausgeschrieben, indem Bomben auf sie geworfen werden. Wie schlagen denn dort die Wellen der Medien? Ziemlich tief meiner Ansicht nach.

Ich kenne die Menschen in Connecticut nicht. Es bedrückt mich dennoch zu sehen wie das Wohl von Familien sinnlos zerstört wird. Aber nur weil diese Tat zufällig in einem westlichen Land geschehen ist heißt nicht, den Rest der Welt zu vernachlässigen. Warum liegen die Prioritäten der Öffentlichkeit so diffus daneben? Ich würde sogar so weit gehen und behaupten ein Attentat in mitten von Afrika mit 500 Toten wäre nichtmals mehr als ein Artikel in den Zeitungen, geschweige denn eine genaue Beleuchtung mit Hintergrund der Tat. Es würde keine Interviews mit Angehörigen geben.

Man kann ein Attentat nicht mit dem Bürgerkrieg in Syrien vergleichen, aber so erscheint es doch wichtiger und notwendiger zu erfahren was in Syrien geschieht als in einem kleinen Ort in den USA. Deutschland ist als Waffenlieferant und stiller Akzeptant direkt an dem Konflikt beteiligt. Verrückte Attentäter wird es immer geben. Eine Gesellschaft hat kaum Einfluss auf solche Taten. Eine Gesellschaft hat aber Einfluss auf einen Bürgerkrieg. Einen Diktator kann man stoppen.

Die nächste Woche werden die Medien voll mit dem Thema der Schießerei in Newton sein. Der Bürgerkrieg in Syrien jedoch wird nur als ein minütige Randnotiz in den Abendnachrichten wahrgenommen. Bei dem Attentat jedoch wird alles wieder aufgewirbelt. Erinnerungen an alle bisherigen Attentate an Schulen werden gezeigt, schön in Zusammenfassung und in Dokumentationen verpackt. Macht diese mediale Aufmerksamkeit die Tat nicht noch schlimmer? Das Ziel des Täters ist erreicht. Er ist für die nächste Zeit in den Nachrichten. Nachahmer schmieden schon ihre Pläne und hoffen auf einen ebenso begehrten Platz im Fernsehprogramm.

Ich verstehe die Berichterstattung nicht. Ich verstehe die Konsumenten solcher Nachrichten auch nicht. Es scheint mir ein Grundsatzproblem sowohl in der Erzeugung von Nachrichten als auch beim Konsum derer zu sein. Solche Themen wie eine Schießerei, in der mit der Angst der Menschen gespielt wird auch Opfer werden zu können, was mehr als genauso unwahrscheinlich ist wie Teil eines Bürgerkrieges zu werden, haben einfach einen höheren Zulauf an Konsumenten. Keiner interessiert sich für den Hunger in der Welt. Solche Themen lassen sich eben nicht verkaufen.

In der Nachrichtenwelt geht es schon lange nicht mehr um die Aufklärung der Menschen. Es geht um Unterhaltung. Nur wenn der Konsument sich unterhalten fühlt schaltet er auch weiterhin ein und kauft die Zeitung weiter. Demnach ist also auch der Konsument schuld am Verfall der Medien. Er ist es letztlich der bestimmt über welche Themen berichtet wird. Eine Schwangerschaft in einer Adelsfamilie scheint den Menschen wichtiger zu sein. Deshalb wird auch jeden Tag für die nächsten Monate darüber berichtet werden. Bei so einem unterhaltsamen Thema kann selbst keine Schießerei mit 26 Toten mithalten.

Gibt es eine Lösung? Wollen die Menschen überhaupt eine? Ist das worüber ich schreibe überhaupt ein Problem?

Ja. Nein. Kommt darauf an.