Den richtigen VPN-Anbieter auswählen

Verfasst von Stephan Schielke

Veröffentlicht am 09.01.2013

Ich habe es satt! Hauptgrund für einen VPN-Zugang im Ausland ist für mich die GEMA-Youtube-Blockade gewesen. Anstatt jetzt über den Sinn und Unsinn von der GEMA zu reden, beschreibe ich lieber nach welchen Kriterien ich einen VPN-Anbieter gesucht, gefunden und ausgewählt habe um diese Blockade zu umgehen und jetzt frei und unbeobachtet Filesharing betreiben könnte.

Zunächst einmal muss man sich für einen der gefühlten 1000 VPN-Betreiber entscheiden. Die eine Hälfte ist kostenlos und die andere Hälfte ist mit Kosten verbunden. Eine hilfreiche Weisheit im Internet ist: "Wenn du nicht dafür bezahlst, dann bist DU die Ware". Demnach stellt sich die Frage welchen der verbleibenden kostenpflichtigen VPN-Anbieter man wählen soll. 5-10€ im Monat sollte euch eure Anonymität schon wert sein. Noch eine hilfreiche Weisheit im Internet: "ALLE großen Firmen arbeiten mit Regierungen, Geheimdiensten und anderem Gesocks Hand in Hand zusammen". Das ist keine Verschwörungstheorie (*Update* Die Aussage stammt noch vor dem NSA-Skandal) , das kann man immer mal wieder live beobachten wie beispielsweise bei Wikileaks als Paypal, Mastercard etc. ihnen den Hahn abgedreht haben. Einzig und allein ihr Provider in Schweden, ein kleiner Betrieb im Nirgendwo, hat sich standhaft widersetzt. Die wirklich großen VPN-Anbieter wie Hide My Ass! sind die ersten welche eure IP-Adresse herausgeben sobald sich nur irgendein Anwalt bei ihnen meldet (steht auch so in den AGBs (sollte man lesen bei VPN-Anbietern)). Was bleibt sind die kleinen Anbieter in den noch halbwegs freien Ländern unserer Erde.

Folgende Beschreibung dient der Auswahl eines sicheren VPN-Anieters.

Dinge wie Geschwindigkeit und 100%ige Zuverlässigkeit sollte man zwar nicht völlig missachten, aber auch nicht seinen Hauptaugenmerk darauf legen. Es geht vor allem darum seine eigene IP zu verstecken. Der Anbieter sollte also höchste Anforderungen an seine eigene Sicherheit stellen. Dieses Kriterium ist leider nicht direkt überprüfbar. Man muss dem VPN-Anbieter vertrauen. Das ist schon das erste große Problem. Welcher Anbieter ist vertrauenswürdig? Was sind die Erkennungsmerkmale?
Lest euch die AGBs durch! Die meisten Anbieter spielen anscheinend mit offenen Karten und sagen von vorne herein das Filesharing etc. mit ihnen untersagt ist. Das kann schon ein wichtiger Hinweis darauf sein wie ernst es dem VPN-Anbieter mit eurer Anonymität ist. Wirklich auffallend und lobenswert jedoch ist: Sämtliche Anbieter untersagen ausdrücklich die anonymisiert Verbreitung von Kinderpornographie! Bei wirklich allen Anbietern habe ich eine solche Klausel gefunden, welchen KiPo-Sharern das Leben schwerer macht. Die meisten untersagen ebenfalls das übertriebe Nutzen des VPN-Tunnels durch Botnetze oder DDoS-Angriffe. Zurück zum Filesharing:
Einige wenige VPN-Anbieter werben damit das Filesharing, sei es durch Drosselung oder direkter Kooperation mit Rechteverwertern, nicht zu behindern. Wie weit kann man dieser Aussage trauen? Ich weiß es selbst nicht, aber wenn schon eine Firma damit wirbt z.Z. illegales Handeln nicht zu verfolgen, dann ist das für die Anonymität der User zunächst etwas hervorragendes.

Aus welchem Land soll denn die zukünftige IP kommen? Es gibt Länder in denen das private Filesharing legal ist (darunter fällt zum Beispiel die Schweiz). Es sollte sich auf jeden Fall um ein freies Land handeln, welches sich nicht von Rechteverwertern herumkommandieren lässt. Eine Geheimformel dafür habe ich auch nicht. Lasst auf jeden Fall die Finger von Providern aus den USA, Deutschland, Frankreich und ähnliche. Um einen halbwegs guten Ping zu haben wäre es auch besser wenn sich das Land nicht am anderen Ende der Welt befindet.

Über den Weg des Geldes findet man auch die Quelle. Das gilt auch hier. Wenn ihr euren VPN-Zugang mit eurem Homebanking-Account unter Klarnamen bezahlt dürft ihr euch nicht wundern wenn ihr eines Tages doch abgemahnt werdet. Achtet deshalb auf die angebotenen Zahlungsmöglichkeiten. Wirklich anonym sind Zahlungsmittel wie Bitcoins oder eine PaySafeCard gegen Bargeld. Denkt an den 2. Hinweis: "ALLE großen Frimen arbeiten mit Gesocks zusammen". Deshalb ist PayPal beispielsweise KEIN anonymes Zahlungsmittel. Auf Anfrage rückt PayPal sofort alle Transaktionen raus welche direkt zum Girokonto führen. Anonymes bezahlen ist nicht bequem.

Verlangt der VPN-Anbieter schon bei der Anmeldung sämtliche Kontaktdaten braucht ihr die Registrierung gar nicht erst abzuschließen. Datensparsamkeit ist ebenfalls essentiell. Am besten man braucht nur einen fiktiven Anmeldenamen + Passwort zu hinterlegen.
Datensparsamkeit bezieht sich auch auf die Gegenseite. Der Anbieter sollte unter gar keinen Umständen seine Server-Logs speichern! Das ist wie angemerkt leider für den Nutzer nicht überprüfbar (außer das Gegenteil steht in den AGBs). Nutzt der VPN-Anbieter Referal-Ketten wo Kunden neue Kunden werben ist das ein eindeutiges Indiz dafür das dort auf jeden Fall zu viele Daten gespeichert werden.

Die Erreichbarkeit des Teams stellt für mich auch ein wichtiges Kriterium dar. Ich möchte bevor ich den VPN-Anbieter bezahle zumindest einmal mit ihm in Kontakt getreten sein. Unter wie vielen Kanälen ist der VPN-Anbieter erreichbar? IRC, Jabber und E-Mail sind für mich die anonymsten Kommunikationsmittel, angenommen sie sind richtig konfiguriert. Am besten es besteht eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei der Kontaktaufnahme.

Hilfreich kann auch das Web Of Trust sein. Dort erhaltet ihr zu diversen Domains Usererfahrungsberichte und einen subjektiv zustande gekommenen Trustlevel (welcher auch manipuliert worden sein könnte). Besser als gar keinen Erfahrungsbericht zu haben!

Der VPN-Anbieter sollte OpenVPN nutzen, denn das Point-to-Point Tunneling Protocol (PPTP) ist vollkommen unsicher geworden und schon längst geknackt.

Mein VPN-Anbieter ist IPREDATOR. Alle Server liegen in Schweden. Ich kann meine volle VDSL-Geschwindigkeit ohne Einschränkung nutzen. Der Zugang kostet 150 schwedische Kronen für 3 Monate (ca. 20€). Der Anbieter erfüllt alle hier genannten Kriterien zu 100%. Der VPN-Dienst gehört den Machern von The Pirate Bay. Viel Spaß mit eurer neuen Freiheit!

Achja. Das verstecken der IP ist kein vollwärtiger Schutz. Ihr solltet euer Netzwerk entsprechend einrichten. Sollte die VPN-Verbindung aus irgendeinem Grund kippen, würdet ihr, wenn falsch konfiguriert, direkt wieder mit eurer normalen IP weitersurfen. Solche Dinge müssen unbedingt beachtet werden falls ihr es ernst mit eurer Anonymität meint. Eine neue IP ist ein Anfang, aber es erfordert eigentlich auch eine Umstellung der Arbeitweise. Dazu aber vielleicht in einem anderen Blogpost mehr.