Raus aus Euren Filterblasen!

Verfasst von Stephan Schielke

Veröffentlicht am 13.01.2013

Ich starte ein kleines Experiment. Ab heute werde ich mich der vollen ungefilterten Wucht von Tweets stellen. Seitdem ich das Twitter-Tool Tame benutze, ist mir bewusst geworden, dass ich mich in einer #Piraten-Filterblase befinde. Das ist schön, um bei “meinen Themen” auf dem Laufenden zu bleiben, jedoch hemmend um sein Weltbild zu erweitern.

Der Union beispielsweise gebe ich ja gar keine Chance ihre Argumente vorzutragen, da ich sie von vorneherein als Unsinn abtue oder sie gar nicht erst zu Gesicht bekomme. Ich halte mich für einen toleranten Menschen der neuen Ideen aufgeschlossen ist. Darum sollte ich mich bei Twitter auch nicht in eine Filter-Bubble einhüllen. Seit heute folge ich sämtlichen Mitgliedern des Bundestags, welche einen Twitter Account besitzen. Das ist doch schon mal ein Anfang.

Bei den Nachrichtenseiten hingegen mache ich das schon seit Jahren. Angefangen habe ich mit relativ linken Blättern und heute sind auch völlig neoliberale Artikel in meinem Newsfeed zu finden. Über das Fernsehen konsumiere ich gar keine Inhalte mehr (zynisch: Werden denn überhaupt noch Inhalte im TV vermittelt?).

Dienste wie Facebook und die Google-Suche machen es nur zu gerne als freundliche Dienstleistung: Vorfiltern.
Wenn man es nicht explizit verhindert so gehen dadurch vielleicht wichtige Inhalte unter. Alleine schon das ausschließlich deutsche Inhalte den englischen bei einer Suche auf google.de bevorzugt werden ist eine Filterung. Sie fällt einem schon gar nicht mehr auf. Gleiches Spiel bei google.com: Vielleicht sehr relevante spanische Inhalte haben keine Chance gegen den Suchalgorithmus. Eine solche Filterung ist Fluch und Segen zugleich.
Bei Facebook das gleiche Spiel. Menschen, mit denen man kaum Kontakt hat, sind weniger oft im Nachrichten-Stream vertreten. So etwas ist hilfreich, um in der Datenflut nicht zu ersticken. Andererseits werden einem Informationen vorenthalten.
Das gleiche Filterverhalten in ähnlicher Form zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Netz. Der User soll sich möglichst wohl beim Benutzen des Dienstes fühlen. Konflikte sind unerwünscht. Wir finden das was wir suchen, aber viel schlimmer ist auch wir bekommen nur noch das was wir finden wollen. Der Zugang zu einer Vielfalt von Information ist behindert. Ein Algorithmus entscheidet nun darüber, was relevant für uns ist und was nicht.

Unser Gehirn versucht immer dann, wenn es einen Konflikt entdeckt, diesen aufzulösen. Entdecken wir erst gar keine Widersprüche und fühlen uns pudelwohl in unserer konfliktfreien Filter-Bubble, so entwickeln wir uns auch nicht zu aufgeklärten und kritischeren Menschen. Die Denkweise “Ich bleibe so, wie ich bin, weil ich immer schon so gedacht habe und alles andere ist sowieso falsch” ist, meiner Ansicht nach, eine schrecklich eingeschränkte.

Weiterhin werde ich, um kritisch zu bleiben, meinen Verstand, die Logik und meinem sozialen Leitfaden auf die neu konsumierten Informationen anwenden. Jeder der sich als kritisch bezeichnet braucht auch keine Angst vor anderen Meinungen zu haben. Der Konsum von Nachrichten ohne anschließende Reflexion ist nämlich das andere Übel. Was sich bei mir ändern wird, ist die Hinzunahme von neuen Blickwinkeln auf die aktuellen Themen des politischen Diskurses. Es reicht eben nicht “nur” aus seiner Perspektive zu beobachten und seine Schlussfolgerung daraus zu ziehen. Im Prozess der Meinungsbildung gehört unabdingbar auch die Meinung anderer, auch wenn sie noch so konträr zur eigenen Ursprungsmeinung ist. Gegenargumente helfen der besseren Einordnung von Themen.

Öffnet euren Geist und entwickelt euch weiter. Hoffentlich zum Besseren, dafür gibt es jedoch keine Garantie.