Wie steht es um unsere Menschenrechte? Artikel 1.

Verfasst von Stephan Schielke

Veröffentlicht am 16.10.2013

Ich habe mir vorgenommen alle Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durchzugehen und nach meinem Standpunkt zu beurteilen ob sie kraftvoll in unserer Welt angekommen sind.


Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte


Alle Menschen sind frei geboren

Ein Sklavenkind aus dem asiatischen Raum etwa wird direkt in seine Unfreiheit geboren. Weltweit existiert Sklaverei. Der Menschenhandel ist ein globales Phänomen geblieben. Seit der Antike über die Zeit der Kolonialisierung bis heute hat sich nichts daran geändert.

Streng genommen ist jede Dienstleistung gegen Notwendiges (wie Nahrung, Unterkunft, oder einfach Geld) eine Begrenzung der Freiheit. Es sind Abhängigkeiten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Gegen diese Abhängigkeit ist solange nichts einzuwenden wie die Würde beider Parteien nicht verletzt wird. Die Aussage "Arbeit macht frei", lässt mir bis heute einen unangenehmen Schauer über den Rücken laufen.

Kinder- und Minenarbeiter ohne Schutz, Fließbandarbeiter für Elektronik- und Chemiewaren und Menschen die zur Prostitution gezwungen werden, wurde die Menschenwürde einseitig aberkannt. Sie sind moderne Sklaven. Sklaven sind unfreie Menschen, selbst wenn ihnen das Rechte zur Selbstverwirklichung zugestanden wird. Solche "unangenehmen" Themen werden aber viel zu selten von Politik und Medien behandelt.

Was kann jeder einzelne von uns Effektives dazu beitragen um die Unfreiheit zu lösen? Ist eigentlich alles bekannt:
Als Konsument: Keine dreckigen Waren kaufen; Das ist die einzige Sanktion die "der Markt" kennt. Umdenken: Brauche ich das wirklich? Ist mir das neue Smartphone 1-2 Menschenleben wert? Werdet euch über Euer Handeln bewusst! Solange ihr T-Shirts für 2€/Stück verlangt und auch kauft werden die Arbeitsbedingungen auf der anderen Seite der Welt sich nicht ändern. Wer selbst von Armut betroffen ist, den möchte ich nicht weiter belasten. Wer keine Wahl hat zu helfen hat das Recht sich zuerst um seine eigene Würde zu kümmern. Alle anderen sollten ihre eigenen Moralnormen überprüfen. Stellt euch die Frage "Handel ich so wie ich es für richtig halte"?
Als Arbeitgeber: Würdevolle Arbeitsplätze schaffen. Den Menschen über den Profit stellen.
Als Arbeitnehmer: Lasst euch nicht versklaven. Versucht Abhängigkeiten zu lösen. Wenn ihr die Möglichkeit habt, wehrt euch und kämpft für eure Freiheiten!

Unfrei geboren werden auch all die Kinder denen man keine Chancengleichheit im Leben gewähren wird. Wer heute in eine bedürftige Familie geboren wird kann noch so viel Arbeit leisten, er wird sich höchstwahrscheinlich nicht frei als Mensch entfalten können, weil es ihm von der Gesellschaft verwehrt wird. Es bringt Verzweiflung mit sich, ein fremdbestimmtes Leben führen zu müssen und nicht an der eigenen Gesellschaft teilhaben kann.


Alle Menschen sind gleich an Würde geboren

Die Würde ist eine faszinierende Errungenschaft. Sie ist naturgegeben und (spätestens) nach der Geburt besitzt sie jeder Mensch, so viel steht fest. Ab wann ein Ungeborenes ein Mensch und Würdeträger sein kann, ist streitig.

Jeder weiß was Würde ist und fast jeder hat auch eine Erfahrung gesammelt bei der seine persönliche Würde angegriffen worden ist. Ohne diese Negativerfahrung ist es einem schlecht möglich den Wert der Würde zu erkennen.

Würde ist unteilbar. Kein würdevoller Mensch hat mehr Würde als ein anderer. Man kann seine Würde aber auf verschiedene Arten verlieren. Die Würde kommt mit der Geburt und verschwindet bestenfalls erst mit dem Tod. Für seine Würde muss man kämpfen wenn sie einer Gefahr ausgesetzt ist. Ist der Wille stark genug kann sie einem auch bis zum Tod nicht von außen genommen werden.

Würde ist etwas, was einem von sich aus gegeben wird und von außen an- und aberkannt werden kann. Würde hat viel mit Respekt zu tun, an dem es oftmals in unserer Gesellschaft mangelt. Jede Meinung hat ein Recht darauf respektiert zu werden, nicht aber akzeptiert zu werden. Wenn wir das einmal verstanden haben ist schon viel getan.

In der Aussage "Sich würdevoll verhalten" versteckt sich eine Erkenntnis. Um selbst würdevoll zu sein muss man würdevoll handeln. Man verliert seine Würde wenn man sich menschenunwürdig verhält.

In der Welt von heute gibt es viele menschenunwürdige Taten. Zum Glück, und so ist mein Eindruck, gibt es weitaus mehr würdevolle Menschen und Taten als unwürdige.

Der Grundsatz lautet: Behandelt eure Menschen mit Würde und eure Würde bleibt euch erhalten.


Alle Menschen sind gleich an Rechten geboren

Ungerechtigkeiten sind so offensichtlich wie vor tausenden Jahren auch. Andere Menschen sind gleicher vor dem Gesetz als andere. Das sollte nicht sein, ist aber ein Problem in der Realität.

Unsere Rechtsstaaten werden von Repräsentanten unserer Demokratien Stück für Stück aufgelöst. Wirksame Kontrollmechanismen werden ausgehöhlt und ausgehebelt. Zuschauer sind wir alle und doch hält sich unsere Empörung in Grenzen. Der Fall Mollath ist ein trauriges Paradebeispiel dafür, dass selbst in einem hochentwickeltem Rechtsstaat wie Deutschland, können einfachste Kontroll- und Korrekturmechanismen versagen.

Natürliche Rechtspersonen wie Du und Ich haben es schwieriger ihr Recht durchzusetzen, als ein großer Konzern. Recht bekommt nur derjenige, der es sich auch leisten kann. Die Momentane Methode ist die Abschreckung; Beispiel Abmahnindustrie. Die Bürger zahlen lieber zu Unrecht ein paar hundert Euro Erpressungsgeld anstatt für ihr Recht zu kämpfen. Wer traut sich schon als Arbeitslosengeldempfänger gegen den Staat ins Gericht zu ziehen? Jeder sollte es sich trauen und leisten können, dem ist aber bei weitem nicht so.

Immerhin haben wir Institutionen wie Gerichte. Früher zählte das Recht des Stärkeren. Demokratisierte Gesellschaften haben es geschafft das "Recht des Mächtigeren" etwas zu dämpfen und zu normalisieren. Unser Rechtsstaat hat viele Lücken, aber im Ganzen ist es ein gutes funktionierendes System, das sollte man nicht vergessen. Ich möchte in keine andere Zeit geboren worden sein, wenn es darum geht.

Eigentlich sollten Minderheiten keine Extra-Rechte besitzen müssen, denn sie sind zuerst einmal Menschen wie jeder andere. Dennoch brauchen Minderheiten einen besonderen Schutz. Die Würde von Minderheiten wird weitaus öfter angegriffen als die der Mehrheiten. Die Reihenfolge "Würde und Rechte" ist sicherlich nicht umsonst so gewählt worden. Die Würde muss gesichert werden, notfalls auch über Zusatzrechte.


Mit Vernunft und Gewissen im Geiste der Brüderlichkeit

Wir Menschen haben diese bisher einzigartigen Geschenke Vernunft und Gewissen erhalten. Wir sollten diese Gaben auch öfters nutzen bevor wir handeln. Vernunftbegabt zu sein bedeutet noch lange nicht auch stets vernünftig zu handeln. Es ist eine Entscheidung sein Denken in sein Handeln einfließen zu lassen. Jeder befand sich schon einmal in der Situation in dem er bewusst unvernünftig gehandelt hat. Ebenso kennt jeder die Situation in dem er entscheiden muss ob seine Tat moralisch vertretbar ist. Selbst wenn wir zu dem Schluss gelangen nicht moralisch zu handeln ist das keine Garantie dafür auch wirklich nicht moralisch zu handeln.

Eigentlich sollte jede unsere Handlungen vor der Ausführung abgewägt werden. Ist es vernünftig so zu handeln? Finde ich es richtig so zu handeln? Trage ich mit meinem Handeln dazu bei, Verbundenheit zu schaffen? Nachdem man sich das gefragt hat muss man auch konsequent sein und frei danach handeln. Wir lassen und viel zu sehr von Meinung anderer in unserem Handeln beeinflussen. Wir treffen Entscheidungen und handeln trotzdem anders als gewollt, weil es vielleicht so erwartet wird. Jeder sollte nach seinem eigenen Gewissen entscheiden und handeln.

Krieg, Hass und Neid sind menschlich und wird es immer geben. Unsere Vernunft und unser Gewissen sollten wir für Frieden, Liebe, und Gunst einsetzen. Wenn ich mir aber anschaue wie viel Energie und Aufwand in Militär und Rüstung gesteckt wird, kann ich nur die ungewissenhafte (vergeudete?) Arbeit sehen. Wessen Arbeit darin besteht Waffen und Menschen zu verkaufen hat sein Gewissen längst gegen ein bisschen Materielles verkauft. Unsere Staaten nutzen einen Großteil ihrer Kräfte um gegeneinander zu arbeiten anstatt miteinander zu kooperieren. Das ist wahrhaft unvernünftig.

Der Neoliberalismus in der Globalisierung und der damit einhergehende "Raubtierkapitalismus" haben die Menschen infiltriert. Ihr Denken ist selbstbezogener denn je geworden. Getreten wird stets nach unten; Nebenbei gesagt hat das Elend keine Grenze. Solange es einem gut geht, wird nichts unternommen. Erst wenn man selbst von etwas betroffen ist schreitet man ein. Das ist meiner Ansicht nach moralisch falsch. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Ohne seine Mitmenschen und die angesprochene Brüderlichkeit wären wir im Evolutionskampf schon längst untergegangen. Kooperation zahlt sich aus. Gemeinsam die Welt zum Besseren verändern zu wollen ist Kern des menschlichen Seins.

Würde nur jeder Mensch diesen ersten Artikel der Menschenrechte in sein Herz schließen, so lebten wir alle ein besseres Leben; davon bin ich überzeugt. Kämpft für eure Rechte! Es mussten Millionen dafür sterben - das alleine ist Grund genug. Danke.