Willensfreiheit vs. Determinismus

Verfasst von Stephan Schielke

Veröffentlicht am 30.03.2014

Begriffsklärung

Zuerst sollten wir definieren unter welchen Gesichtspunkten man vom freien Willen sprechen kann. Definiert wird der Begriff "Willensfreiheit" mit folgenden drei Bedingungen, die allesamt erfüllt sein müssen:

  1. Bedingung des Anders-Handeln-Könnens: Die entscheidende Person hat eine Alternativmöglichkeit zum tatsächlichen Handeln
  2. Urheberschaftsbedingung: Die Entscheidung hängt von der Person selbst ab
  3. Kontrollbedingung: Die Wahl zur Entscheidung muss frei von Zwängen erfolgen

Demnach besitzt eine Person genau dann einen freien Willen, wenn sie eine Wahl hat und sich selbst für eine der Möglichkeiten, frei von Notwendigkeit, dafür (oder dagegen) entscheiden kann.

Problematik

Die nächste offensichtliche Frage lautet, ob es so eine Situation in der Wirklichkeit geben kann. Die größten Probleme bereiten die Implikationen vom kausalen Determinismus. Die Determinismusthese besagt, dass jedes Ereignis im Universum hinreichende Ursachen bzw. Vorbedingungen besitzt, sodass es zu jeder Zeit nur eine mögliche Zukunft gibt. Diese Kausalkette von Ereignissen durchziehe alle physikalischen Ebenen, auch die der Quanten. Sämtliche natürlichen Prozesse unterliegen, laut Determinismus, nicht-probabilistischen Naturgesetzen. Hierraus ergeben sich Konflikte für die drei Bedingungen der Willensfreiheit.

Standpunkte

Nun gibt es verschiedene Standpunkte die man einnehmen kann:

Kompatibilisten behaupten der freie Wille sei vereinbar mit der Determinismusthese. Ein weicher Determinist ist ein Kompatibilist, der die Stellung vertritt, dass der Determinismus keinen Einfluss auf die freie Willensausübung ausübt.

Inkompatibilisten hingegen behaupten der freie Wille sei nicht mit einem kausalen Determinismus in Einklang zu bringen. Bei den Inkompatibilisten unterscheidet man zwischen denjenigen die behaupten der Determinismus sei wahr und es deshalb keinen freien Willen geben kann (harte Deterministen) und denjenigen die behaupten der freie Wille existiere und die Determinismusthese sei falsch (Libertarier).

Es gibt auch Skeptiker, welche den freien Willen grundsätzlich ablehnen und sich dabei nicht auf den Determinismus berufen. Harte Deterministen werden ebenfalls zu den Freiheitsskeptikern gezählt.

Eines vorab: Ich persönlich bin harter Determinist und der Überzeugung, dass es keine freien Entscheidungen geben kann. Dieser Artikel ist nicht völlig frei von subjektiven Ansichten. Dieser Artikel erhebt auch keinen Anspruch auf totale Vollständigkeit. Anmerkungen und Anregungen können am Ende des Artikels von euch gepostet werden.

Kompatibilismus (weicher Determinismus)

Kompatibilisten müssen darlegen können wie die drei Bedingungen der Willensfreiheit mit dem Determinismus vereinbar sind. Dafür werden die Begriffe genauer definiert.

Weitere Begriffsdefinitionen

Bedingte und unbedingte Willensfreiheit

Bevor die Arten des Kompatibilismus richtig beschrieben werden können, untersuchen wir weiter den Begriff der Willensfreiheit und grenzen ihn von der Handlungsfreiheit ab. Eine Person ist handlungsfrei, wenn sie nicht durch äußere Zwänge an etwas gehindert wird und das tun kan was sie will. Manche Philosophen (u.a. Hobbes und Hume) sind der Ansicht, dass die Handlungsfreiheit alleine ausreiche um als frei zu gelten. Sich seinen Willen frei zurechtzulegen ist nicht relevant, solange wir ihn frei ausleben können. Wünsche, Motive und Überzeugungen sind bei der reinen Handlungsfreiheit nicht zwingend frei bestimmbar.

Schopenhauer: "Der Mensch könne tun, was er will, aber er könne nicht wollen, was er will."

Wenn man aber den freien Willen lediglich auf die freie Ausübung des Willen beschränkt, kann man das dann noch echte Freiheit nennen? Sind wir wirklich frei wenn unsere Motive/Wünsche/Überzeugungen determiniert sind?

Heroin-Abhängige sind außerlich vielleicht frei in ihrem Handeln, unterliegen aber einer inneren Unfreiheit. Erst die Willensfreiheit würde sie zu freien Menschen machen.


Höherstufige Wünsche nach Frankfurt

Frankfurt (1971, 1988) geht von einem Stufenmodell unserer Wünsche aus. Wünsche der 1. Stufe handeln von direkten Handlungen, wie z.B. sich ein Haus kaufen zu wollen. Wünsche 2. Stufe (höherstufiger Wunsch) beziehen sich auf Wünsche 1. Stufe. Ein höherstufiger Wunsch könnte sein sich nicht mehr wünschen zu wollen sich ein Haus zu kaufen. Höherstufige Wünsche sind oftmals von längerfristigen Überzeugungen geleitet. Wünsche erster Ordnung sind eher intuitiv und impulsiv. Wir werden unserer Wünsche 2. Stufe erst bewusst, wenn sie nicht mit den Wünschen 1. Stufe übereinstimmen.
Wenn ein Drogenabhängiger es schafft seinen Wunsch 2. Ordung, keine Drogen mehr nehmen zu wollen, dem Wunsch 1. Ordnung, Drogen (zwanghaft) nehmen zu wollen anzupassen, besitzt er einen freien Willen. Erst wenn der Konflikt aufgelöst wurde ist die Person frei.

Diese These ist zudem unabhängig vom Determinismus. Selbst wenn die Welt deterministisch sei, kann eine Person frei sein. Handlungs- und Willensfreiheit werden anders definiert als im harten Determinismus.


Willensfreiheit nach Moore

Eine Person besitzt Willensfreiheit, wenn sie wollen kann, was sie wollen will (1912). Diese Definition ist ähnlich zu Frankfurts Stufenmodell. Es reicht aus die Fähigkeit zu besitzen etwas anders zu wollen.


Willensfreiheit nach Locke

Zum einen muss die Person die Fähigkeit besitzen vorher über die Entscheidung nachzudenken und abzuwägen, was das richtige für die Person ist. Zum anderen muss die Person die Fähigkeit besitzen nach der getroffenen Entscheidung gemäß zu handeln. Erst wenn beide Kriterien erfüllt sind, besitzt eine Person einen freien Willen.

Intelligibilitätsargument

Die Willensfreiheit ist auf den Determinismus angewiesen, da eine Entscheidung auf persönlichen Gründen basieren muss. Intelligibel handelt eine Person wenn sie aus nachvollziehbaren Gründen handelt. Ohne eine Kausalkette ist auch kein freier Wille möglich.

Argumente gegen den weichen Determinismus

Anders-Handeln-Können-Bedingung ist unerfüllt

Argument: Wirkliche Freiheit gibt es, nach Ansicht von Thomas Reid (1788) beispielsweise, nur dann, wenn die Gründe für eine Entscheidung von uns bestimmt werden. Äußere Umstände hingegen liegen außerhalb unseres Einflussbereichs; Daher sind handlungsfreie Personen immer noch unfrei. Die Anders-Handeln-Können-Bedingung ist nicht erfüllt.
Entgegnung: Harry Frankfurt (1969) argumentiert mit folgendem Beispiel gegen die Notwendigkeit der Anders-Handeln-Können-Bedingung:
Person A überlegt Person B umzubringen und Person C will Person B definitiv umbringen. Person C möchte B aber nicht selbst umbringen, sondern Person A mit einem Apparat dazu nötigen. Dieser Apparat ist an das Gehirn von A geklemmt und ist in der Lage zu erkennen wann sich Person A dazu entscheidet B zu töten. Außerdem kann der Apparat die Entscheidung von A in dem Moment lesen in der sie geschieht. Der Apparat kann die Entscheidung sogar beeinflussen, wenn A sich gegen den Mord an B entscheidet. Entscheidet Person A sich für den Mord an B greift der Apparat nicht ein. Entscheidet er sich gegen den Mord, wird die Entscheidung auf "B morden" umgepolt. Person A kann sich letztlich gar nicht anders entscheiden als B zu morden. Entscheidet er sich selbst für den Mord ist er sogar verantwortlich. Person A kann also die Verantwortung für den Mord tragen, obwohl er sich nicht hätte anders entscheiden können. Die Anders-Handeln-Können-Bedingung ist demnach hinreichend und nicht notwendig.

Argument 2: In einem kausal-deterministischen Universum kann jeder nur so handeln wie er auch wirklich handelt. Die Naturgesetze verbieten einer Person anders zu handeln als er es tatsächlich tut. Die Anders-Handeln-Können-Bedingung ist nicht erfüllt.
Entgegnung: George Edward Moore weißt auf die Mehrdeutigkeit der Formulierung "können" hin. Von einer Person mit der Fähigkeit etwas zu tun, behaupten wir, dass er es auch kann (konditionale Analyse von Können). Die Persön hätte sich auch anders entscheiden können. Es ist zwar unmöglich, dass ich mich anders entscheide, aber ich besitze das Potential dazu mich anders zu entscheiden. Demnach spielt die Determiniertheit keine Rolle bei der Anders-Handeln-Können-Bedingung.

Argument 2.1: Austin (1956) argumentiert gegen die konditionale Analyse von Können: Nur weil man die Fähigkeit besitzt A zu tun, heißt es nicht, dass es auch immer gelingt A zu tun. Ein Elfmeterschütze hat die Fähigkeit ein Tor zu schießen und will es auch, jedoch gelingt es ihm nicht immer.
Entgegnung: Demnach dürfte keinem Ding irgendeine Fähigkeit zugesprochen werden, was absurd ist.

Argument 2.2: Chisholm (1964) argumentiert gegen die konditionale Analyse von Können: Nur wenn man überhaupt die Fähigkeit dazu hat sich für A zu entscheiden, kann man davon reden A auch tun zu können. Beispielsweise ist jemand mit panischer Höhenangst zwar in der Lage eine hohe Leiter zu besteigen, kann sich aufgrund seiner Angst jedoch nicht dafür entscheiden.
Entgegnung: Dieses Argument ist ähnlich zum 1. vorgebrachten Argument von Reid. Die Fähigkeit sich für etwas zu entscheiden konditional zu analysieren führt in einen infiniten Regress.

Urheberschaftsbedingung ist unerfüllt

Argument: Unsere Wünsche, Motive und Überzeugungen sind kausal determiniert. Auch wenn wir nach unseren Wünschen handeln sind wir nicht der anfängliche Urheber der daraus folgenden Handlungen.
Entgegnung: Die Entscheidung hängt von unseren Wünschen, Motiven und Überzeugungen ab. Motive sind dann meine Motive, wenn ich sie als meine Wünsche anerkenne, mich mit ihnen identifiziere und Verantwortung für sie wahrnehme (Fischer/Ravizza 1998). Wir sind Urheber der Entscheidung, da sie auf uns zurückgehen. Selbst wenn die Gründe determiniert sind, bleiben sie die ausschlaggebenden Gründe für die Entscheidung.

Argument: Wären wir wirklich verantwortlich für unser Handeln, so müssten wir für unsere Wünsche verantwortlich sein, die bei der Abwägung einer Entscheidung eine Rolle spielen. Um zu entscheiden müssen wir unsere Wünsche wählen. Wählen kann man nur auf Basis von Prizipien. Diese Prinzipien sind jedoch wieder selbst von Prinzipien abhängig. Es droht ein unendlicher Regress.
Entgegnung: Nicht alle Wünsche sind davon betroffen. Wir sind unfrei in Dingen wie Essen zu wollen, Zuneigung zu wollen etc., die uns schon von der Natur seit der Geburt mitgegeben wurden. Frei sind wir in den anderen Wünschen.

Kontrollbedingung ist unerfüllt

Argument: Handlungen sind nur dann frei, wenn unsere Entscheidung dazu frei war. Unsere Entscheidungen sind determiniert und darum unfrei. Die getroffene Wahl ist zwangsläufig. Die Kontrollbedingung ist nicht erfüllt.
Entgegnung: Der Begriff der Willensfreiheit muss genauer definiert werden.

Definition der Willensfreiheit ist falsch

Argument: Frankfurts Stufenmodell der Wünsche reicht nicht aus um Willensfreiheit zu erklären. Es droht ein unendlicher Regress, da Wünsche 2. Ordnung mit denen 3. Ordnung usw. übereinstimmen müssen. Außerdem wird die Wertung des moralischen Urteils über die ausgewählten Wünsche ignoriert.
Entgegnung: Zu recherchieren.

Persönliche Beurteilung

Mich überzeugt der weiche Determinismus nicht, da ich ihn für logisch inkonsistent befinde. Die Bedingung nach der Urheberschaft wird nicht hinreichend erklärt. Der Begriff Urheberschaft wird lediglich umgedeutet auf "Heberschaft"; Das "Ur" verschwindet und das Problem ist für die Kompatibilisten damit gelöst...
Das gleiche Spiel findet mit der Kontrollbedingung statt. Die Begrifflichkeiten werden so lange manipuliert, bis sie auf die Wirklichkeit zu passen scheinen. Ob das dann tatsächlich der Fall ist, wird nicht geklärt.
Und zum 3. wird bei der Anders-Handeln-Bedingung mit der potentiellen Fähigkeit argumentiert. Klar besitze ich die Fähigkeit jedes Schachspiel nicht zu verlieren, denn ich brauche ja nur die besten Züge in jeder Situation zu spielen, dennoch entspricht das nicht der Wirklichkeit.

Der weiche Determinismus ähnelt meiner Ansicht nach einer religiösen Schrift. Sie mag helfen mit der Wirklichkeit klar zu kommen und versucht unerklärlichen Dingen mit neuen Konzepten Herr zu werden, wird aber nicht durch die Naturwissenschaft gestützt sondern ausschließlich von den Geisteswissenschaften.

Libertarianismus

Kernthese der Libertarier ist: Es gibt Freiheit, also ist der kausale Determinismus falsch. Um zu beweisen, dass diese Aussage wahr ist muss man beweisen, dass es Freiheit gibt.

Der Libertarianismus sagt zwei Arten von Kausalität vorher. Zum einen gibt es die "normale" Ereigniskausalität, wonach der letzte Dominostein, durch die vorherigen umgefallenen Steine, umgestoßen wird und zum anderen gibt es die so genannte Akteurskausalität. Bei der Akteurskausalität gibt es vor jeder Entscheidung persönliche Gründe für A oder B. Für jede mögliche Alternative gibt es auch unterschiedliche Gründe. Diese Gründe determinieren die Entscheidung jedoch nicht, sondern das Selbst wägt ab und entscheidet. Durch die Entscheidung wird die Kausalkette des Determinismus durchbrochen und Pfad A bzw. B tritt ein.
Der Determinismus und die Ereigniskette von Ursache und Wirkung sind nur bis zum Zeitpunkt der Entscheidung gültig. Der Akteur besitzt einen substantiellen Willen. Die Akteurskausalität schafft es zwischen der Ereigniskausalitätskette zu wirken. Nach der Entscheidung herrscht wieder das Kausalprinzip. Der Akteur selbst erzeugt eine neue Kausalkette und ist demnach die Ursache für sein Handeln.

Argumente gegen den Libertarianismus

Indeterminismus

Argument: Wenn unser Universum nicht kausal determiniert ist unterliegt es dem Zufall. Eine zufällige Entscheidung ist aber keine freie Entscheidung. Deshalb muss der Libertarianismus falsch sein.
Entgegnung: Es existiert eine Akteurskausalität. Personen selbst verusachen.

Akteurskausalität ist Ereigniskausalität

Argument: Aussagen zur Akteurskausalität wie etwa: "Der Soldat verursachte den Tod eines Zivilisten" sind im Grunde genommen mangelhafte Aussagen über Ereigniskausalität. "Das Abfeuern des Gewehrs verursachte den Tod eines Zivilisten." müsste es heißen. Alle Aussagen zur Akteurskausalität lassen sich umschreiben in Aussagen zur Ereigniskausalität. Es muss genuine Fälle von Akteurskausalität geben damit der Libertarianismus wahr ist.
Entgegnung: Es gibt genuine Fälle von Akteurskausalität.

Genuine Akteurskausalität widerspricht Naturgesetzen

Argument: Genuine Akteurskausalität widerspricht den momentan geltenden Naturgestzen. Es gibt keinerlei empirische Beweise für eine vom Akteur erzeugte neue Kausalkette. Ohne genuine Akteurskausalität kann der Libertarianismus nicht wahr sein.
Entgegnung: Wir haben ein starkes natürliches Gefühl, dass wir einen freien Willen besitzen. Eine so starke Intuition kann uns nicht täuschen. (Intuitionsargument).

Akteur ist außerweltlich

Argument: Der Akteur muss offenbar eine Entität sein, welche außerhalb der Ereigniskausalkette liegt, da er selbst und frei über seine Entscheidung bestimmt. Anders herum ist es ihm jedoch möglich in die Welt durch seine Entscheidungen einzugreifen. Dies widerspricht den naturwissenschaftlichen Ergebnissen unserer Zeit; Der Libertarianismus ist falsch.
Entgegnung: Zu recherchieren...

Entscheidungen bleiben zufällig

Argument: Die Entscheidungsfindung bleibt weiterhin zufällig, denn es bleibt ungeklärt wie eine bestimmte Entscheidung zu Stande kommt. In der ersten Situation entscheidet sich der Akteur durch Gründe für A und in der zweiten Situation für B. Wenn man sich trotz identischer Gründe einmal für A und ein andermal für B entscheiden kann, war die Wahl offenbar unbegründet. Die Entscheidungen werden zufällig getroffen, was den Bedingungen für einen freien Willen widerspricht. Der Libertarianismus ist falsch.
Entgegnung: Zu recherchieren...

Persönliche Beurteilung

Zugegebenermaßen ist diese Einstellung sehr intuitiv und deckt sich mit dem natürlichen Befinden. Aber warum sollten die Naturgesetze kurzzeitig aufhören zu funktionieren nur weil ich mich im Moment entscheide? Die Vorstellung, dass es der Wirklichkeit entspricht gefällt mir, zweifle aber daran, dass es wirklich so ist, da es kaum bis keine empirischen Beweise für diese These gibt. Außerdem gibt es starke Gegenargumente, welche nur durch schwach gestützte Thesen enkräftet werden. Schön wäre es, aber ich persönlich zweifle daran. Ob der Libertarianismus stimmt ist ohne empirische Beweise derzeit eine Glaubensfrage.

Harter Determinismus

In einem kausal-deterministischen Universum kann es nur eine einzige Zukunft geben. Diese Zukunft mag zwar nicht bekannt sein, da es einer sich darin befindlichen Entität (Laplacescher Dämon) unmöglich ist alle Ausgangszustände zu erfassen und weiter zu berechnen, aber sie steht für alle Zeit fest. Der Weltverlauf ist demnach eine Linie ohne Abzweigungen. So wie die Vergangenheit eindeutig bestimmt und unveränderlich ist, ist auch die Zukunft nur auf eine Weise bestimmt und nicht veränderbar. Alles was war und sein wird befindet sich im Jetzt. Die Zeit schreitet fort und wir wandern auf einem Punkt der Linie entlang. Harte Deterministen glauben, dass wir zahnradgetriebene Machinen mit Geist sind.

Das Konzept der Freiheit verlangt, dass die Zukunft völlig offen und unbestimmt ist. Befürworter der Willensfreiheit behaupten, erst die getroffene Entscheidung eines Wesen mit Entscheidungskraft solle die Zukunft verändern können. Worauf basieren diese Entscheidungen? Laut Determinismus basieren die Entscheidungen auf kausalen Ursachen. Warum sollte ausgerechnet ein menschlicher Gedanke in der Lage sein die physikalische Welt (einen Reiz im Gehirn) zu beeinflussen?

Das Konsequenz-Argument von Peter van Inwagens widerlegt das Konzept eines freien Willen mittels Determinismus. Es besteht aus zwei Prämissen und einer Konklusion:
(P1) Wenn der Determinismus wahr ist, folgen unsere Handlungen aus Naturgesetzen und Ereignissen der fernen Vergangenheit.
(P2) Es steht nicht in unserer Macht, die Naturgesetze zu ändern, noch die Ereignisse vor unserer Geburt.
(K) Also stehen auch die kausalen Konsequenzen der Vergangenheit und der Naturgesetze nicht in unserer Macht, unsere eigenen Handlungen eingeschlossen.“

Da unsere Handlungen schon vor unserer Geburt durch die von den Naturgesetzen hervorgerufene Kausalkette bestimmt sind, kann es keine Willensfreiheit geben.

Wenn der Determinismus wahr ist, dann hat eine entscheidende Person keine Alternativmöglichkeit. Seine Entscheidung hängt auch nicht von seiner Person selbst ab, sondern gehen auf vorherige Ereignisse zurück. Außerdem sind die Entscheidungen nicht frei von Zwängen, da vorher schon feststand welche Entscheidung getroffen wurde. Alle drei Bedingungen für einen freien Willen sind demnach unerfüllt.

Leider ist der Determinismus unbewiesen bzw. es wird in der Physiker-Gemeinde heftig gestritten, wie unsere Wirklichkeit beschaffen ist. Nichtsdestotrotz ist der Determinismus plausibel und auf allen bekannten Ebenen der physikalischen Welt anwendbar. Von klassischer Mechanik über Thermodynamik zu Quantenmechanik lassen sich alle Ereignisse deterministisch erklären. Es ist unserer Unfähigkeit, die Wirklichkeit exakt zu messen, geschuldet, dass wir den Determinismus auf Quantenebene wahrscheinlich nie wissenschaftlich/empirisch nachweisen und somit beweisen können. Das ist weder ein Argument gegen oder für seine Existenz in der Wirklichkeit.

Argumente gegen den harten Determinismus

Unbestimmtheit der Quantenwelt

Argument: Aufgrund der Heisenbergschen Unschärferalation ist es unmöglich ein Quantensystem vollständig und exakt zu beschreiben. Der Determinismus entspricht nicht der Wirklichkeit.
Entgegnung: Dass Messungen nicht exakt durchgeführt werden können, spielt für die Beschaffenheit der Wirklichkeit keine Rolle. Es widerlegt den Laplaschen Dämon, einem Wesen welches über alle Information im Universum bescheid weiß und selbst Teil davon ist, beweist aber nicht die Falschheit des Determinismus.

Kopenhagener Interpretation der Quantenmechanik

Argument: Quanten haben erst dann einen festen Zustand, wenn man sie misst/beobachtet. Die Zukunft ist unbestimmt; Das heißt der Determinismus ist falsch.
Entgegnung: Die De-Broglie-Bohm Interpretation der Quanten- mechanik reproduziert die gleichen Vorhersagen wie die Kopenhagener-Variante und ist vollkommen deterministisch. Quanten liegen in diesem Model auf Bahnen. Die Messung selbst spielt im Gegensatz zur Kopenhagener-Variante keine ausgezeichnete Rolle. Beide Interpretationen der Quantenmechanik haben ihre Daseinsberechtigung (Kopenhagener-Variante ist leichter zu rechnen). Mir persönlich erscheinen Wellenfunktionen mit festen Bahnen näher an der Wirklichkeit als Wahrscheinlichkeits-Wellenfunktionen, in der der Zufall bis zu einer Messung herrschen soll. Warum sollte das reine Beobachten eines Systems es auch verändern?

Determinismus ist selbstwiederlegend

Argument: Wenn jemand daran glaubt, sein Ich sei vorherbestimmt muss auch sein Weltbild (des harten Determinismus) vorherbestimmt sein. Der Determinismus kann deshalb nicht wahr oder falsch sein und widerlegt sich selbst.
Entgegnung: Es gibt auch Leute die beim Kopfrechnen glauben 7x8 sei 58 und nicht 56. Manche Menschen kennen nun einmal den Wahrheitswert und manche unterliegen einem Irrglauben. Ob man die Wahrheit kennt liegt (leider) außerhalb unserer freien Entscheidung, da das komplette Leben und was man weiß kausal vorherbestimmt war.

Bekannte Verteter

  • Albert Einstein (1879–1955)
  • Max Planck (1858–1947)
  • Pierre-Simon Laplace (1749–1827)
  • David Hume (1711–1776)
  • John Locke (1632–1704)
  • Baruch de Spinoza (1632–1677)
  • Thomas Hobbes (1588–1679)

Persönliche Beurteilung

Dem Determinismus wird oft vorgeworfen, er erzeuge eine pessimistische Weltauffassung. Ich sage dazu: Nutzt und genießt das Leben, auch wenn ihr keinen freien Einfluss darauf habt oder gebt euch einfach der Illusion einer freien Entscheidung hin. Unser Geist ist Beobachter dieser Welt. Entscheidungen werden von euch getroffen, nur sind diese unfrei und vorherbestimmt. Also was soll's?

Freiheitsskeptiker

Freiheitsskeptiker werden auch als harte Inkompatibilisten bezeichnet. Sie entwickeln Konzepte der Wirklichkeit, in denen es irrelevant ist ob der freie Wille mit In-/Determinismus vereinbar ist. Alle Implikationen die der freie Wille mit sich bringt müssen neu betrachtet werden. Ob das Universum kausal deterministisch ist oder nicht darf keine Rolle spielen.

Wenn sowohl das Konsequenzargument als auch das Intelligibilitäts- argument stimmten, wäre damit gezeigt, das Freiheit weder mit dem Determinismus noch mit dem Indeterminismus vereinbar wären. Freiheit wäre eine Illusion.

Wenn es tatsächlich keinen freien Willen geben sollte, so hat das direkte Auswirkungen auf unsere Verantwortung. Konzepte wie Verurteilung und Bestrafung müssten neu überdacht werden. In manchen Situationen denken wir heute schon so. Zum Beispiel verurteilen und bestrafen wir geistig Kranke (oder Menschen unter Drogeneinfluss) anders als gesunde Menschen, da wir sie nicht für ihr Handeln verantwortlich machen. Wir gestehen ihnen keinen freien Willen zu; Betroffene konnten offensichtlich nicht anders handeln.

Unser menschlicher Umgang könnte sich ändern, wenn man akzeptiert, dass niemand für sein Handeln verantwortlich ist. Reaktionen wie jemanden etwas übel nehmen oder dankbar sein verkümmerten zu Gepflogenheiten, da es keinen Grund mehr für sie gibt. Man erhällt eine objektive Einstellung zu seinen Mitmenschen und verliert die subjektive.
Nur wenn jemand ohne Absicht oder unbewusst handelte, nehmen wir ihm etwas nicht übel. Erst wenn jemand willentlich und wissentlich handelt nehmen wir ihm etwas übel. Hierbei ist es irrelevant ob das Ereignis determiniert war oder nicht. Es ist zustande gekommen und es folgt eine angemessene Reaktion (Übel nehmen, dankbar sein, etc...). Die Ansicht eines Freiheitsskeptiker funktioniert demnach auch für eine indeterministische Welt.

Persönliche Beurteilung

Ich sehe diese Sicht als Chance den ganzen moralischen Groll loszuwerden der den Menschen nur plagt und nebenbei unser Justizsystem zu humanisieren. Ich wäre bereit den harten Determinismus für eine freiheitsskeptische Sicht aufzugeben, falls die Determinismusthese widerlegt werden sollte.

Schlussbemerkung

Inkompatibilisten reicht es nicht aus nur den Willen zu haben etwas zu tun. Sie verlangen eine Letzturheberschaft und eine Erklärung wie dieser Wille zustande gekommen ist. Kompatibilisten hingegen begnügen sich damit den Willen zu haben den sie haben. Deshalb unterscheiden sich auch die Freiheitsbegriffe der beiden Parteien. Kompatibilisten verbinden Freiheit mit Willentlichkeit und Inkompatibilisten verbinden ihn mit der Letzturheberschaft. Die einen sind Gläubige, die anderen Skeptiker.

Alle sind sie am zappeln; Die weichen Deterministen, die Libertarianer und die Freiheitsskeptiker. Am wenigsten mit ihrer Weltanschauung zu kämpfen haben die Anhänger des harten Determinismus, da er auf allen Ebenen empirisch gestützt wird. Der Determinismus bedarf keiner zusätzlichen (ausgedachten) Konzepte um die Wirklichkeit zu erklären. Es ist als wissenschaftlich orientierte Person nur vernünftig den harten Determinismus zu vertreten. Ich bin ohnehin der Auffassung, dass es dem Menschen niemals gelingen wird zu beweisen wie die Wirklichkeit beschaffen ist und es auf ewig eine Glaubensfrage bleiben wird. An was man schlussendlich glaubt, bleibt jedem (nicht) selbst überlassen. :-)